Das bewegte Leben mit 50+

Lifestyle, Liebe und Lektüre für Frauen mit Herz & Verstand

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So BLAU wie das Meer…

Hotel les Bulles de Meer,Bibliothek

Die Anfahrt ist zunächst unspektakulär – das Hotel „Les Bulles de mer“ liegt in einer Reihe mittelgroßer Hotelkomplexe, ähnlich anonym wie in einer mallorquinischen Mittelklassesiedlung. Wir sind hier in St. Cyprien an der südfranzösischen Mittelmeerküste und freuen uns auf einige Tage Relaxen am Strand. Kaum betreten wir den Eingangsbereich, ändert sich unsere Stimmung: Hier ist alles fein aufeinander abgestimmt, modernes Design im aktuellen Eklektizismus, aber unaufgeregt, überhaupt nicht prätentiös, mit vielen kreativen Details (ich liebe das Wandbild aus weißen Keramikkrebsen auf meerblauem Grund).

Unser Zimmer finden wir dann ebenso stimmig dekoriert, der Balkon liegt ruhig mit Blick auf den Yachthafen, wir mögen die hübschen, zweckmäßigen Hocker und Sesselchen, und ich freue mich mal wieder besonders über den Wasserkocher für meinen Kaffee VOR dem Aufstehen.

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Bootsurlaub – le grand FINALE

Platanenallee am Canal du Midi

Das letzte Drittel der Strecke wird dann noch einmal besonders schön. Die Hafenstädtchen sind zwar teilweise unspektakulär (in Puicheric beispielsweise, im Reiseguide als Städtchen angepriesen, welches seinen mittelalterlichen Charakter erhalten habe, gibt es außer einer maroden Festung und trostlos leerstehenden Lädchen nur ein einziges Restaurant mit fragwürdiger Klientel), dafür werden die Schleusenhäuschen immer pittoresker, die Brücken sind teilweise verziert und die Landschaft ist absolut traumhaft.

Schätzchen mit dem Schleusenwart

Inzwischen sind wir sehr versiert im Schleusen und so halte ich häufig ein Schwätzchen mit den „Eclusiers“ die sich freuen (sic!) , wenn ich mein Französisch ausprobiere. Interessant, Schleusenwart ist durchaus ein Ferienjob, begrenzt auf die Sommermonate mit rotierenden Einsatzorten.

Wir übernachten in Trèbes, einem charmanten kleinen Ort und entdecken eine „Confiturererie“, die dem Bilderbuch entsprungen scheint, die Marmeladenfee hat nicht nur die Sorte „Orange-Reglisse“ – ja – LAKRITZ in der einzigen Konfitürensorte, die mir schmeckt! Hier steht also ein Großeinkauf an… Der Canal schlängelt sich weiter durch sanfte Weinhänge, wir passieren Überreste mittelalterlicher Aquädukte, Einzel-, Doppel-, sogar Dreierschleusen und landen schließlich im Hafen von Carcassonne. In der Nachmittagssonne radeln wir zur Cité hinauf und sind total begeistert von der Kulisse, die sich uns bietet.

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Schön, von dir zu hören, NIELS!

Cover Niels Frevert Putzlicht
Niels Frevert „Putzlicht“, 2019 bei Grönland Records

Auf Niels Frevert wurde ich aufmerksam, als er mit seiner Band NATIONALGALERIE 1992 das Album „Kein Wunder“ veröffentlichte. Ich könnte heute noch jeden Song mitsingen, vielleicht würde mich der straighte American Rock nicht mehr ganz so überzeugen, aber die Texte waren damals wie heute ungewöhnlich poetisch. Als der Sänger dann 1997 seine Solokarriere startete, wurde der Sound subtiler, allerdings gleichsam noch melancholischer und ich fand die Songs ein bisschen zu „nölig“. Mit dem Album „Zettel auf dem Boden“ (2011) hatte ich Niels Frevert dann wieder auf dem Radar. Dann wurde es irgendwie leise um den Hamburger – bis ich jetzt, vielleicht auch, weil ich inzwischen in Hamburg regelmäßig dem ganz famosen Musiksender 917XFM lausche, die ersten Songs des neuen Albums entdeckte. Mit „Putzlicht“ ist Niels Frevert ein ganz besonders feines Comeback gelungen! Ich bin wieder schwer verliebt in die schwermütigen, lyrischen Texte und die Arrangements (teilweise klingen sie wie eine moderne Interpretation von Joy Division, teilweise flasht mich die rauere Gangart der Hamburger Schule -Alarmgitarren). Toll, ich freue mich so, alle Songs des Albums zu entdecken, momentan klebe ich an „Ich suchte nach Worten für etwas das nicht auf der Strasse der Worte lag“ (!). Am 19.10. spielt Niels Frevert im Mojo Club und ich habe mir den Termin schon in den Kalender tätowiert.

So klingt LEBENSFREUDE pur!

Impressionen Hamburg singt

Wenn sich Dienstags ab ungefähr 17 Uhr eine Menschenschlange vor der Michaelispassage bei der Stadthausbrücke bildet, ist das der Countdown für eine Chorprobe der besonderen Art. „Der Chor für alle Sänger und Nichtsänger“ heißt es auf der Website von hamburgsingt.de – und als ich mich das erste Mal in die Wartenden reihte und eine Zehnerkarte für 80 Euro kaufte, war ich schon sehr gespannt, was da auf mich zukommen würde… In den Probesaal passen ungefähr 400 Menschen, und der Raum füllt sich schnell, man sortiert sich in eine der drei Sektionen für hohe, tiefe oder normale Stimmlagen und wartet, denn los geht´s erst um 19 Uhr, wenn der Chorleiter Niels Schröder auf die Bühne springt und die Band einsetzt.

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Kind, schaff Dir ERINNERUNGEN

Die Ankunft im Hafenstädtchen Capestang ist schon wieder so ein Miniaturroman, herrlicher geht’s kaum. Freundlich werden wir in der Capitainerie eingewiesen, dann schlendern wir über die malerische Brücke in den kleinen Ort und finden uns in einer Kulisse wieder, als käme gleich Louis de Funès um die Ecke. Der Marktplatz ist an diesem Samstagabend belebt, eine Band macht ihren Soundcheck, wir studieren die unterschiedlichen Charaktere von Kellnern, Familien, Lokalmatadoren. Ich besichtige die wunderschöne gotische Kirche Collegiàle St. Etienne und verharre nachdenklich an der Gedenktafel, die besagt, dass im Juni 1944 genau 179 Männer des Dorfes von Mitgliedern der SS verschleppt wurden. Die alte Dame, die sorgsam den Kirchenraum putzt, fragt mich nach meiner Herkunft…und ich achte noch mehr als sonst darauf, keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Wir haben uns zum Abendessen ein besonders hübsches Gartenlokal ausgesucht und verbringen wunderbare Stunden im „Table du Vigneron“, bevor wir uns unter das Konzertpublikum auf dem Marktplatz mischen. An diesem Abend sind wir Teil einer Dorfgemeinschaft, lauschen den ziemlich schrägen 80s-Covers der Band und sind einfach dankbar für den Moment.

La Table du Vigneron in Capestang

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Hausbootstories – VOL. II

Morgenlicht Hausboot vor Rundbrücke

Den schrabbeligen Ankerplatz bei Agde verlassen wir frühmorgens und ohne Wehmut, Dusche oder Frühstück. Das Städtchen schafft es definitiv nicht auf meine Favoritenliste. In friedlicher Morgenstimmung gleiten wir den Kanal entlang und ich stelle wieder einmal fest, dass das „Wasserglotzen“ etwas absolut Meditatives hat. Gepaart mit kleinen Handgriffen – Bimini runter, Bimini rauf- stellt sich schnell wieder die totale Entspannung ein.

Nach einigen Stunden erwartet uns das nächste Schleusenmanöver und schon ist es vorbei mit meiner Gelassenheit. Verflixt noch mal, mit den Tauen zu hantieren ist echt nicht einfach, immer wieder misslingt das Festmachen, hektisch registriere ich die kritischen Blicke des Schleusenwärters, und was hat mir der Liebste gerade Unverständliches zugerufen? O je, und gerade, als mit großem Hallo das Boot der netten Schweizer zu uns stößt, knallt erneut der große, provisorisch festgeknotete Fender vom Bug. Irgendwie bewältigen wir die Schleuse von Portignan dann doch und der Liebste nimmt mich in den Arm: “ Du weißt schon, dass wir uns hier die schwierigste Variante ausgesucht haben? Zu zweit ein relativ großes Boot hochzuschleusen?“ Richtig, abwärts sind die Manöver viel leichter, da man lediglich das Boot beim Herabsenken des Wasserspiegels kontrollieren muss. Diese Erkenntnis erstickt den aufkommenden Stress sofort, zumal wir uns noch ein paar Kommandos überlegen, um in der Schleuse schneller kommunizieren zu können. Und als die Schweizer unser Boot passieren, steht der Liebste mit dem blauen Kugelmonster am Heck und erntet vergnügte Antworten auf sein keckes Angebot: „Na, wollen Sie vielleicht einen Fender kaufen?“

Fender auf der Beaucaire

In heiterer Stimmung erreichen wir – natürlich nach einer Schleusenpassage – die Stadt Beziers und werden in der Capitainerie herzlich empfangen. Frisch geduscht schwingen wir uns zu einer großen Erkundungstour auf die Räder. Die Stadt bietet allerlei Sehenswertes, wir begeistern uns für die romanische Kathedrale St. Nazaire mit dem anliegenden Klostergarten, von dem man eine wunderbare Aussicht auf das Tal und die Brückenlandschaft hat. Natürlich locken uns die einzigartigen Neun Schleusen von Fonseranes. Das Highlight des Canal du Midi steht morgen auf unserer Route und wir studieren genau, mit welchen Handgriffen der Besatzung ein riesiges Aussichtsboot die Wassertreppe meistert. Zurück von einem modern- raffinierten Dinner im hübschen „L’Attable(é) de Axel D.“ nehmen wir einen Absacker auf dem Vorderdeck und freuen uns, schon etwas aufgeregt, auf die Herausforderung des nächsten Tages.

L' ecluses de Fonseranes

Und es geht früh los. Zunächst überqueren wir auf der Kanalbrücke den Fluss L’Orb, ein einzigartiges Gefühl! Und dann sind wir auch schon an den Schleusen.. Nach einer Stunde schweißtreibendem Hantieren ist das gesamte Höhenunterschied von 21 Metern überwunden, alles verlief easy, wir hatten richtig Spaß bei unserem grandiosen Teamwork. Glücklich klatschen wir uns ab – hey, das ist der Durchbruch!

Nachmittags erreichen wir entspannt das hübsche Örtchen Capestang. “ Le voyage erst la plus belle destination“- Heute habe ich den Slogan unseres Vermieters Locaboat voll verinnerlicht.

Lustschippern auf dem CANAL DU MIDI

Unsere Penichette Evolution "Beaucaire"

Der perfekte Urlaub ist doch ganz einfach – der richtige Mix aus Abenteuer und Komfort, und schon stellt sich das gewünschte Reisefeeling ein. Klar – ist bei Vielen so. Nur, was ist der richtige Mix? Als mich der Liebste mit dem Plan überrascht, knapp zwei Wochen auf einem Hausboot auf dem Canal du Midi zu verbringen, habe ich zugegebenermaßen einige Bedenken, ein Hausbooturlaub sei doch sehr mit einer Reise im Wohnmobil vergleichbar – und das ist nun wirklich nicht mein Ding. Die hübschen Landschaftsbilder und das zu erwartende französische Savoir-vivre locken mich jedoch sehr, und schon starten wir eines seeeehr frühen Morgens in Hamburg Richtung Frankreich.

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Unvorstellbar…oder, LIEBLING?

Cob

Was bedeutet Anstand, wenn es um die Liebe geht? Der Klappentext bei „Ein anständiger Mensch“ von Jan Christophersen weist auf einen Konflikt hin, der eintrifft, wenn ein Teil des Paares mit dem Gedanken spielt, die einst vereinbarte Freiheit zum Seitensprung auszukosten. Die Geschichte liest sich flüssig wie ein gelungenes Drehbuch einer deutschen Filmproduktion à la „Das kleine Fernsehspiel“. Ich hatte sogar schon den Cast im Kopf und sah Matthias Brandt in der Rolle des erfolgreichen Autors, der auf einer dänischen Insel um die Loyalität seiner Frau, in meiner Vorstellung gespielt von Barbara Auer, bangt. Die selbstverliebte Verzweiflung des Protagonisten amüsierte mich schon sehr, bis die im zweiten Teil des Buches recht abrupt veränderte Szenerie zu einer weitaus existenzielleren Variante der Eingangsfrage führt. Eine eindeutige Antwort wird dem Leser verwehrt, und das hat mich letztendlich dazu gebracht, lange darüber nachzudenken, inwieweit Empathie und Moral als Koordinaten für mein Wertesystem gelten. Das hat mich nachhaltig für das Buch begeistert.

Der Liegestütz ist LAZY´S LIEBLING

Grüne Echse als Motiv für den perfekten Liegestütz
Selin Sahin @unsplash

Für das erste morgendliche Fitness-Fleißkärtchen brauche ich weder ein Sportgerät noch einen Personal Trainer, nicht einmal ein geeignetes Outfit ist vonnöten… und in wenigen Minuten kann ich zufrieden in die Hände klatschen: „Erledigt“. Schön definierte Oberarme fand ich schon immer attraktiv. Früher genügte das „normale“ sportliche Leben und die alltägliche Hausarbeit, um auch im T-Shirt den (eigenen) kritischen Check zu bestehen.

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Ach, diese LÜCKE…

Leeres Vogelnest

Nach dem geschäftigen Sommerleben wird es für viele von uns wieder ruhiger, geordneter und – deutlich leerer. Semesteranfang, Ausbildungsbeginn, wenn sich ein Familienmitglied auf eigene Beine stellt, ist das auch für den Rest der Familie eine neue Situation. Ich selbst bin seit einigen Wochen Betroffene des „ Empty Nest“-Syndromes … und das auch noch als Mutter eines Einzelheinzchens. Eine Freundin, die ihren Ältesten vor einigen Jahren ziehen liess, versicherte mir, es fühle sich in den ersten Monaten exakt wie Liebeskummer an. Das konnte ich nicht so recht nachvollziehen.

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